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Von Hilde bis Hexe

Das Gutenberg-Museum Mainz steuert zu Rheinhessens 200-jährigem Jubiläum eine Sonderausstellung mit dem Thema „Kräuterbücher – vom ‚Gart der Gesundheit‘ zu den Kräuterhexen“ bei und zeigt von Hildegard von Bingen bis zum Hexenhammer die Entwicklung der Botanik- und Naturheilbücher im Spiegel ihrer Anwender.

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© Sarah Beicht

Gleich zu Beginn geht es zu dem Herzstück der Ausstellung. Direkt neben Gutenbergbibel und historischer Druckerpresse liegt der „Gart der Gesundheit“. 1485 von dem Mainzer Peter Schöffer gedruckt, ist es das erste Werk in deutscher Sprache, das sich mit der heilenden Kraft von Kräutern und Pflanzen beschäftigt. Über 6000 Gewächse werden hier beschrieben, inklusive genauer Anwendungshinweise für jedes Zipperlein. Das Buch war ein voller Erfolg und wurde bis ins 19. Jahrhundert fortwährend nachgedruckt.

Ein weiteres Highlight ist das Werk Otto Brunfels‘, der als einer der drei Väter der Botanik gilt. Amerika war inzwischen entdeckt und so werden hier 400 europäische und über 100 exotische Pflanzen, darunter Mais und Tabak, näher vorgestellt. Die Motivdrucke sind wesentlich feiner und detailreicher als noch bei Schöffer und wurden von einem Schüler Albrecht Dürers angefertigt.

Im zweiten Stock finden sich dann drei Themenschaukästen, die verschiedene Aspekte der Botanik und Naturheilkunde aufgreifen. Zum Einstieg darf Hildegard von Bingen natürlich nicht fehlen. Wein, Schnaps oder Teemischungen werden heute noch mit ihrem Namen verkauft und sie gilt als die Urmutter der Pflanzen- und Heilkräuterforschung. Eine Erbin dieser Bewegung ist Maria Treben, die ihn zahlreichen Werken alternative Behandlungsmethoden von Gelenkleiden bis hin zu Krebs vorstellt. „Diese sind aber mit Vorsicht zu genießen, denn wenn man sich nur damit behandelt, kann man sich damit auch schneller umbringen als einem lieb ist“, sagt die durch die Ausstellung führende Museumsmitarbeiterin.

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© Sarah Beicht

Der mittlere Schaukasten widmet sich Hieronymus Bock, dem zweiten Vater der Botanik, in dessen Buch etwa in viel Wein verdünnte Kräuter als Heilmittel gelten (kein Wunder, dass das hilft…). Außerdem sieht man hier schön die Entwicklung der Bildkunst, werden hier zudem zahlreiche Naturselbstdrucke gezeigt. „Dabei wurde die Pflanze mit Farbe bestrichen und anschließend auf das Papier gepresst“, so die Museumsführerin. „So ergeben sich auch die feinen Verästelungen in dem Abdruck.“

Das für mich spannendste Ausstellungsstück war aber natürlich der originale Hexenhammer von 1486. Harmlos aufgeschlagen und mit Notizen bekritzelt liegt er in der Vitrine und hat doch etwa 60.000 Menschen das Leben gekostet. „Wer mehr weiß als andere, der lebt gefährlich“, sagt die Museumsdame und in der Tat wurde das Wissen von Hebammen, Bäuerinnen und Klosterfrauen daraufhin zu teuflischem Hexenwerk erklärt. In Speyer gedruckt, betrug die Erstauflage 150 Exemplare, eines davon liegt nun hier zur Betrachtung. Im Museumsbesitz befinden sich insgesamt drei Hexenhammer aus unterschiedlichen Jahren. Der Wert einer solchen Erstausgabe ist unschätzbar, zur Verdeutlichung: Ein Exemplar davon wird streng bewacht in Washington aufbewahrt. Als witzige und interessante Randnotiz lerne ich außerdem, dass Bodenheim im 15. Jahrundert ein Zentrum der Hexenverfolgung war. Also Augen auf, ihr Bodenheimer!

Gutenberg-Museum Mainz. Foto: Bernd Eßling

Zum Abschluss der Führung geht es hinaus auf den Museumsvorplatz, wo in Kooperation mit dem Grünamt Mainz ein Kräutergarten errichtet wurde. Hier stehen Pfefferminze, Colakraut und Ananasbasilikum im Schatten des Doms zum Pflücken und Probieren bereit.

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© Sarah Beicht

Die Ausstellung „Kräuterbücher – vom ‚Gart der Gesundheit‘ zu den Kräuterhexen“ hat sich mehr als gelohnt, zwar gibt es eine überschaubare Anzahl an Exponaten, trotzdem ist jedes gezeigte Buch ein Must-See für sich. Kleine Kräuterrezepte zum Mitnehmen und Kurzfilme des SWR runden das Programm ab und machen Lust, zu Hause selbst zum Hexenkessel zu greifen.

Die Sonderausstellung läuft noch bis zum 2. Oktober und kann zu den normalen Öffnungszeiten besucht werden. Der Eintritt beträgt 3,50 Euro und beinhaltet ebenso die Dauerausstellung. Am 21. September gibt es zudem einen Workshop, bei dem man in der Gutenberg-Werkstatt eigenes Kräuterpapier schöpfen kann. Der Beginn ist um 15 Uhr. Weitere Infos gibt’s unter www.gutenberg-museum.de.

©Titelbild: Gutenberg-Museum Mainz. Foto: Bernd Eßling.

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