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Erzähl mir was!

Geschichten erzählen kann jeder: den Kindern zum Einschlafen, dem Lehrer bei vergessenen Hausaufgaben oder man bekommt sie von der netten alten Dame im Bus erzählt, während man nur in Ruhe sein Buch lesen will. Meist scheinen sie wie kleine, alltägliche Episoden, aber dahinter verbergen sich nicht selten persönliche, tiefschürfende, aber auch hoffnungsvolle Geschichten, die so nur das Leben schreiben kann.

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Felicitas Pommerening, Foto: © Julia Teine

Letzte Woche habe ich mich mit der Autorin Felicitas Pommerening zu einem gemütlichen Gespräch in der Büroküche getroffen und über ihr Blog-Projekt www.ich-erzähler.de gesprochen. „Die Seite ist wirklich eine Herzensangelegenheit“, sagt sie, „Hier kann ich ganz alleine über Form und Inhalte entscheiden.“ Aus Unmut über die Buchbranche wollte sie einen Ort schaffen, an dem alle Geschichten ihren Platz finden und das Erzählen wieder im Vordergrund steht. „Ich will nicht glauben, dass es nur für die Schublade und nur für den Verlag gibt“, sagt sie. Hier kann sie sich austoben, ihre eigenen Gedanken schweifen lassen und sich ausprobieren – und bietet gleichzeitig eine Plattform für Leute, denen es ähnlich geht. Ganz ohne den Druck der Branche und Produktivitätszwang.

In der Rubrik Für Kinder beispielsweise gibt es kleine Geschichtchen zum kostenlosen Download, bei denen man die Details beim Erzählen selbst ausschmücken kann. Hier gibt es Texte etwa für Regentage, Spaziergänge oder um die Wartezeit im Restaurant zu verkürzen, die mit inhaltlichen Lücken dazu animieren, kreativ zu sein und Spaß zu haben. Wie sieht die Kellnerin in der Geschichte aus? Was wird in den fiktiven Eintopf geworfen? Das alles kann man gemeinsam mit den kleinen Zuhörern herausfinden.

Für alle größeren Zuhörer, Zuschauer und vor allem Kunstschaffende ist der Bereich Unerzählte Geschichten eine wunderbare Anlaufstelle. Von Foto, zu Film, bis (Dreh-)Buch kann jede Form von kreativem Ausdruck eingereicht werden. Alles, was vielleicht nicht ganz marktkonform ist oder einfach kein Publikum findet, ist hier am richtigen Fleck. Bis jetzt habe sich zwar noch niemand gemeldet, aber „wie cool wäre es, wenn man solchen Leuten eine Bühne bieten könnte“, schwärmt Felicitas. „Es ist so schade, dass tolle Sachen in der Schublade liegen müssen, nur weil sie zu viele Kanten für einen bestimmten Markt haben“. Je nachdem, was eingereicht wird, könne man dann die entsprechende Plattform dafür suchen, von Lesung bis hin zur Ausstellung ist alles möglich.

Das erste konkrete Projekt von ich-erzähler.de ist nun der 1. Mainzer Story-Slam. Vergleichbar mit dem Prinzip eines Poetry Slams, werden hier Leute auf die Bühne gebeten, die dem Publikum einfach etwas erzählen: aus ihrer Vergangenheit, ihrer Familie oder ihrem Leben. „Es geht dabei ganz arg um den Inhalt. Da entsteht etwas Besonderes, das ganz ohne Bewertung funktioniert“, sagt sie. Es gibt auch keine bestimmte Form, die man erfüllen muss, die Erzählzeit sollte nur 5 Minuten nicht überschreiten. Auch Nicht-Schreiber sind natürlich herzlich willkommen, denn zum Erzählen braucht man nur sich selbst und eine Geschichte, die man in sich fühlt. Der Story-Slam findet am 13. Oktober in der Mainzer Kulturrepublik (Gaustraße 67) statt. Beginn ist um 19 Uhr und der Eintritt ist frei.

Vielen Dank Felicitas für das nette Gespräch und viel Erfolg bei den tollen Projekten auf www.ich-erzähler.de 🙂

Wer sich nun berufen fühlt, seine Geschichte(n) zu teilen, kann sich einfach hier melden oder unter hallo@felipomm.de.

 

 

Titelbild: © Holger.Ellgaard (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

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