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4. Büchergilde-Abend

Vergangenen Donnerstag und pünktlich zum 1. Dezember fand in der Buchhandlung Erlesenes & Büchergilde bereits zum 4. Mal der große Büchergilde-Abend statt. Bei gutem Wein und Häppchen konnte man sich über die Lieblingstitel 2016 der Händlerinnen informieren, nach Ladenschluss herumstöbern und war anschließend herzlich auf eine kleine Bastelei eingeladen.

buechergilde-abendDer kleine Verkaufsraum ist vollgestellt mit kleinen Stühlen und der Kassiertisch biegt sich unter belegtem Baguette, herzhaften Crackern und süßen Plätzchen. Vorne steht schon ein Tischchen bereit, drauf türmen sich die vom Team ausgewählten Titel zur Vorstellung. Den Anfang macht die Chefin persönlich, Silke Müller, mit „Glückliche Ehe“ von Rafael Yglesias. Hierbei geht es um eine dreißigjährige Ehe, mit all ihren Wirrungen und Alltäglichkeiten und der bitteren Endlichkeit des Lebens. „Das ist wirklich ein schönes Buch“, schließt sie und sei auch bald schon vergriffen. Der zweite Tipp, „Ach, eine Achterbahnfahrt“ von Robert Gernhardt ist eher lyrischer Natur. Der Einband ist kragenbärenbesprenkelt, die Typografie des Titelschriftzugs ahmt die Verknotungen einer Achterbahn nach – schon das Cover ist ein Gedicht. Drinnen geht es genau so weiter. Mit viel Witz und Beobachtungsgabe macht sich der Autor die Worte zu eigen und verformt die kleinen Momente des Lebens zu poetischen Kunstwerken.
Katja Meyer stellt im Anschluss Benedict Wells mit seinem Roman „Vom Ende der Einsamkeit“ vor. Sie lässt die kraftvolle Sprache des 1984 geborenen Autors für sich selbst sprechen und schließt eine besonders ausdrucksstarke Stelle mit den Worten: „Das ist wirklich ein wunderschöner Familienroman“. Mehr ist dem nicht hinzuzufügen. Nach einem Hinweis auf den künftigen Mainzer Stadtschreiber, Abbas Khider, der im Mai 2017 voraussichtlich bei Erlesenes & Büchergilde zu Gast sein wird, empfiehlt Meyer noch einen Film, der besser zu Weihnachten nicht passen könnte. „4 Könige“ erzählt die Geschichte von vier Jugendlichen, die die Festtage über in einer Psychiatrie verbringen müssen. Ohje du Fröhliche!
Ein Tipp, über den ich nicht sehr viele Worte verlieren möchte ist „Kind aller Länder“ von Irmgard Keun. Für den Literaturkurier der Buchhandlung durfte ich im Rahmen des Adventskalenders selbst eine Rezension zu diesem Buch schreiben, man darf also gespannt sein. Den fertigen Artikel gibt es seit dem 9. Dezember hier. Des Weiteren stellte Ursula Lewis den Film „Mr. Holmes“ vor, in dem Ian Holm den alternden Ermittler mimt und dabei an die Grenzen seiner Vergangenheit stößt.
Die vorletzte Empfehlung kam von Katharina Pischedda, die den großen „Fluchtatlas“ herumzeigte. Entstanden als Semesterprojekt von drei Studentinnen bereitet das Buch verschiedene Ebenen der Flüchtlingskrise auf und bebildert das Schicksal Tausender mit statistischen Karten, Tabellen und Grafiken. Dem entgegengestellt sind die Detailbetrachtungen vieler Einzelschicksale, was dem Schrecken der Flucht konkrete Gesichter gibt. In der Mainzer Büchergilde gibt es noch wenige Exemplare, sonst ist der Titel schon vergriffen. Pischedda schließt mit dem Filmtipp „Unsere kleine Schwester“, eine japanische Familiengeschichte, mit viel Humor und liebenswerten Figuren.
Den Abschluss macht Mareike Schneider mit „Smart oder die Welt mit anderen Augen“ von Kim Slater. Auch sie lässt uns ganz in die Welt des Protagonisten Kieran eintauchen, der versucht, den Mord an einem Obdachlosen aufzuklären. Das Jugendbuch erzählt von Akzeptanz und Selbstbewusstsein und vermag es dadurch auch erwachsenere Leser zu begeistern. Die Reise in die Kindheit geht weiter mit den „70 schönsten Geschichten von James Krüss“, ein Hörbuch für endlosen Spaß. Man begegnet liebgewonnen Figuren wie Henriette Bimmelbahn und wird eingeladen, selbst noch einmal in die Vergangenheit einzutauchen.

Der Ehrengast an diesem Abend und krönender Abschluss war der Vortrag von der Künstlerin Nadine Prange, die ihr neuestes Projekt „Freude schöner Bastelbogen“ vorstellt. Was es allerdings genau damit auf sich hat und was der Geist von Elvis an einem Weihnachtsbaum zu suchen hat, erfahrt ihr in einem eigenen Artikel kommende Woche 🙂

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